Am Indianerdorf schlängelt sich der Bach
Vor rund fünf Jahren wurde die Idee für
den Kinderwald am Mecklenheider Forst geboren. Der Vater des Projektes,
Liedermacher Unmada Kindel, wollte Kindern die Natur näher
bringen. Das ist ihm gelungen.
Eigentlich ist es nur ein brauner Sandhaufen,
Boden, der bei der Verbreiterung des Mittellandkanales angefallen
und nun 70 Meter hoch aufgeschüttet ist. Doch seit knapp zwei
Jahren tut sich auf diesem acht Hektar großen Hügel am
Mecklenheider Forst Wundersames: Ein Indianerdorf ist hier entstanden,
ein Amphitheater nimmt Formen an und ein vormals begradigter Bachlauf
darf sich wieder in natürlichen Bahnen schlängeln. Hunderte
von Bäumchen und Sträuchern schlagen hier Wurzeln und
wachsen zu einem ganz besonderen Wald heran: Dem Kinderwald, Hannovers
wohl bekanntestem Beitrag zur lokalen Agenda 21.
Die Idee für dieses Projekt stammt von Kinderliedermacher
Unmada (Manfred) Kindel. „Ein Wald, in dem die Kinder das
Sagen haben, ein Wald zum Spielen und Anfassen und mit vielen Gelegenheiten
diesen Naturraum zu erleben“ – mit dieser Vorstellung
trat der Liedermacher und Musikpädagoge vor gut fünf Jahren
an Jugendeinrichtungen und Ämter heran. Das Echo bei der Projektvorstellung
am 19. November 1996 war gewaltig – das Kinderwaldprojekt
war geboren. Ein Netzwerk von Einrichtungen, Verbänden und
Ämtern unterstützt seitdem das Projekt, das in der Trägerschaft
vom Kulturamt, Agenda-21-Büro, Projektinitiator Manfred Kindel
und dem Freizeitheim Lister Turm steht, wo auch das Kinderwaldbüro
in einem kleinen Turmzimmer seinen Sitz hat.
„Die Säulen unseres Konzeptes sind
Naturerfahrung und die Beteiligung der Kinder“, sagt Projektkoordinator
Udo Büsing. Der überwältigende Einfallsreichtum der
Kinder verlangt auch von den Erwachsenen einiges an Kreativität:
Dabei ist der Wunsch nach einer Hängematte, für die erstmal
zwei große Birken gepflanzt werden müssen, noch recht
einfach zu verwirklichen. Seilfähre, Klappbrücke, Wasserburg
oder Bobbahn sind da schon schwieriger in die Realität umzusetzen.
In spielerischer Form werden die Kinder an der Gestaltung beteiligt.
So schrieb der (von zwei Studentinnen entworfene) „Wasser-quitsch-quatsch“
etwa einen Brief, dass das Ufer seines Baches so langweilig sei
und bat die Kinder der beteiligten Kindertagesstätten um Hilfe
bei der Lösung seines Problems.
Schon in der Planungsphase wurde die Kinderbeteiligung
gross geschrieben, denn in Werkstätten und bei Feriencardaktionen
konnten sie Ideen für die künftige Gestaltung ihres Waldes
sammeln, während die Erwachsenen sich auf die Suche nach einem
geeigneten Gelände machten. Im Frühjahr 1997 wurde die
direkt an den Mecklenheider Forst grenzende Abraumhalde aus der
Verbreiterung des Mittelllandkanales als Standort ausgewählt.
Im Frühjahr 2000 nahmen die Kinder das Gelände dann offiziell
in Besitz.
„Seitdem hat sich viel getan“; sagt
Büsing. „Unter Mithilfe der Kinder haben wir mehr als
1000 Bäume und Sträucher gepflanzt, ein Weidentipidorf
gebaut, Wälle, Unterschlupfe und Brücken errichtet und
natürlich jede Menge Aktionen veranstaltet.“ Die Zahl
der beteiligten Kinder nehme stetig zu: Schon jetzt seien einige
100 Jungen und Mädchen aus den fünf Stamm-Kitas, der Bau-
und Naturerkundungsgruppe, einer Theatergruppe und den beiden von
Liedermacher Unmada betreuten Kinderwald-Chören regelmäßig
dabei. Dazu kämen viele Schulklassen und Kindergartengruppen
zu den Veranstaltungen, die ein Stamm freier Mitarbeiter betreut.
Auf unterschiedliche Weise können die Stadtkinder
in den Ideen- und Zukunftswerkstätten, bei Festen, Naturerkundungs-
oder Feriencardaktionen Naturerfahrungen sammeln. „Wir haben
bei unseren Aktionen eine breite Angebotspalette mit einem hohen
Niveau“, sagt Büsing. Das spricht sich offenbar herum:
Mittlerweile ist der Kinderwald, der 1997 mit einem Sonderpreis
des Niedersächsischen Umweltministeriums gewürdigt wurde,
ein über die Stadtgrenzen hinaus bekanntes Modellprojekt geworden,
das in anderen Städten Nachahmer findet.
Doch Hannovers Vorzeigeprojekt plagen Geldsorgen.
Denn der Sparkurs der Landeshauptstadt geht auch am Kinderwald nicht
vorbei, so dass er 2002 mit rund 50.000 Mark weniger aus der Stadtkasse
rechnen muss. „Meine Sorge ist, dass wir den hohen Standard
nicht halten können, sagt Büsing. Die künftige Entwicklung
des Kinderwaldprojektes hänge daher in Zukunft wesentlich von
der Unterstützung der Sponsoren ab.
Eines ist aber sicher: Nach der Winterpause wird
spätestens im Mai nächsten Jahres mit einer Pflanzaktion
und dem Frühlingsfest die neue Kinderwaldsaison eingeläutet.
Britta Ganz |